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GFM-eV befürwortet Ächtung von Überwachung und Tracking
von Bahnreisenden in allen Zugarten

Ein weiterer Mosaikstein in der Digitalisierungsstrategie der Deutschen Bahn AG sorgte Ende November für reichlich Ärger. Das Unternehmen hatte angekündigt, zum Fahrplanwechsel, d.h. ab Mitte Dezember, Fahrpläne aus Papier aus den Bahnhöfen verschwinden zu lassen. Es ginge dabei (vorerst) um die (weißen) Ankunftspläne an den Bahnsteigen. Die Reisenden hätten alternativ die Möglichkeiten, sich über die Live-Auskunfttafel im Internet oder die Smartphone App "DB-Navigator" zu informieren.

DBTracking-Werbung von Digitalcourage.de

Zweifelhafte Werbung für die Nutzung der Smartphone-App "DB-Schnüffel-Navigator"
(Quelle: Digitalcourage, Markus Hamid CC-BY 4.0)

Auch wenn die Deutsche Bahn AG argumentiert, ihr digitales Angebot werde zu 90% genutzt, stellt diese Rechtfertigung de-facto einen Digitalzwang für eine schützenswerte Minderheit von 10% der Bahnreisenden dar. Dieser kann irgendwann so weit gehen, daß diese Minderheit vom Reiseangebot mit der Deutschen Bahn ausgeschlossen wird. Dieses Szenario ist zwar nicht so drastisch wie in China, wo schon seit mehr als fünf Jahren gezielten Personengruppen die Mitfahrt in Hochgeschwindigkeitszügen, zu denen auch die Magnetschnellbahn Transrapid in Shanghai gehört, verwehrt wird. Betroffen sind dort diejenigen Menschen, die mangelnde "Sozialkredite" (social scores) besitzen, d.h. diejenigen, die sich zu häufig beobachtet "unsozial" nach chinesischer Lesart verhalten haben. Dennoch erscheint auch die Auseinandersetzung mit denjenigen zunehmenden Tendenzen wichtig, die in China als Gegenentwurf zu den westlichen Demokratie-Nationen entstanden sind.

Umweltfreundliches Bahnfahren darf niemals mit Reisenden-Totalüberwachung honoriert werden

Wegen dieses Digitalzwangs wurde der Deutschen Bahn AG im vergangenen Monat der Big Brother Award 2024 in der Kategorie Mobilität verliehen. Die jüngste oben genannte Ankündigung zeigte ihre offensichtliche Ignoranz der Ursachen für diese negative Preisverleihung.

In einer Zeit, in der der Klimawandel und die damit verbundenen Herausforderungen uns alle betreffen, ist es geradezu paradox, daß umweltfreundliches Bahnfahren durch die permanente Überwachung der Reisenden konterkariert wird. Die DB Navigator App, die von Millionen genutzt wird, überträgt unbemerkt persönliche Daten an US-Unternehmen und verletzt damit das Recht auf informelle Selbstbestimmung. Es ist inakzeptabel, daß die Deutsche Bahn AG sich weigert, diese gravierenden Datenschutzprobleme zu beheben, während sie gleichzeitig versucht, ihre Kunden zu überwachen und zu verfolgen. Diese Praktiken sind nicht nur ein Angriff auf die Privatsphäre der Nutzer, sondern auch ein gefährlicher Anpassungsdruck auf diejenigen, die sich für eine nachhaltige Mobilität entscheiden möchten.

In der Laudatio zur Preisverleihung heißt es:
"Warum die Möglichkeit, sich unerkannt in unserem Land frei bewegen zu können, wichtig ist? Weil wir als Bürgerinnen und Bürger an allererster Stelle der Souverän dieses Staates sind und nicht Mobilitätsverschiebemasse, Verdachtsfall oder Marketingobjekt. Deshalb wollen wir uns frei bewegen können. Auch mit und gerade mit der Bahn."

Die GFM-eV möchte dieses Statement auch auf zukünftige Bahnsysteme auf europäischem Boden ausweiten, die auf Magnetschwebetechnologie basieren. Bahnfahren - und zukünftig auch Magnetbahnfahren - gehört zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Und die Nutzung der öffentlichen Infrastruktur darf nicht davon abhängig gemacht werden, daß Menschen das Internet, ein Smartphone oder bestimmte Software benutzen. Sollte der Tag kommen, daß das Schienennetz aufgrund des Verschleißes derart marode geworden ist, daß die zukünftige Generation nicht mehr in der Lage sein wird, eine komplette Sanierung zu stemmen, würde es möglicherweise ein Hilferuf nach China gehen. Sollte es dann zu einer chinesischen Aufbauhilfe bei einem verschleißarmen Magnetbahnnetz kommen und wir chinesische Magnetbahntechnologie (re-)importieren müssen, darf es niemals dabei zu einem Import chinesischer Überwachungstechnologie und -methoden kommen.

Wenn nun jemand erklärt:
"Ich reise stets mit dem Auto, weil ich nicht der permanenten Überwachung seitens der DB AG ausgesetzt sein möchte.",
kann man trotz Sorge wegen der CO2-Bilanz dem nicht wirklich argumentativ etwas dagegen setzen. Und außerdem ist anonymes Bezahlen von Benzin, Diesel und Gas mit Bargeld an jeder Tankstelle möglich und gutes Recht.

Die GFM-eV befürwortet daher eine Ächtung von Überwachung und Tracking von Bahnreisenden in allen Arten von Zügen.

Aufgrund des fortgeschrittenen Alters vieler Mitglieder befürwortet sie auch Petitionen gegen Digitalzwang, wie z.B. von Digitalcourage.

Sie empfiehlt darüber hinaus den freiwilligen Nutzern digitaler Angebote mit einem Smartphone, hierbei "google-befreite" Android-Geräte mit freien (OpenSource-)Apps, verfügbar unter F-Droid zu verwenden oder bei Apple-Geräten diese aus einem freien App-Store zu beschaffen, sobald dies möglich ist.

Sie fordert von der Deutschen Bahn AG mit der "gemeinwohlorientierten" Bahntochter DB InfraGO, zum Gemeinwohl eine OpenSource-Lösung für ihr Angebot in Anlehnung an das Erfolgsmodell Corona Warn App zur Verfügung zu stellen. Z.B. bei einer "Open DB Navigator" App könnten unabhängige, freie Software-Entwickler Datenschutz- und Sicherheitsprobleme selbständig erkennen und beheben.

Hier gibt es die PDF-Version der Erklärung zum Download.


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